Paul-Guenther-Oberschule | Paul-Guenther-Grundschule

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90 Jahre Paul-Guenther-Schule

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Dr. Senf, der uns freundlicherweise seine Artikel für unsere Homepage zur Verfügung gestellt hat. Für seine unermüdliche Arbeit, weitere neue Erkenntnisse über Paul Guenther und die Pauli in Erfahrung zu bringen, wünschen wir ihm viel Erfolg.

(1) Würdiges Gedenken und unwürdiges Verschweigen

von Dr. Gottfried Senf

Im Mai 2015 feiert die Paul-Guenther-Schule in Geithain ihr 90jähriges Bestehen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Juli 1923, aber schon Ende Oktober mussten die Arbeiten wegen der Inflation eingestellt werden und ruhten bis Anfang Juli 1924. Unter diesen terminlichen Bedingungen und bei der schlechten wirtschaftlichen Allgemeinlage in Deutschland grenzte es fast schon an ein Wunder, dass der Riesenbau am 28. Oktober 1925 eingeweiht werden konnte. In loser Folge soll an wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Schulleben der vergangenen 90 Jahre erinnert werden.

Des 10jährigen Bestehens gedachten Stadt und Schule nur in einer schlichten Feier, denn das große Stadtfest „750 Jahre Geithain“ im Jahre 1936 stand unmittelbar bevor. An ein 20. Weihejubiläum konnte im Oktober 1945 keiner denken. Bis Kriegsende und auch noch Wochen danach diente der Schulbau fast vollständig als Lazarett. Bei der Wiederaufnahme des Schulbetriebes am 1. Oktober 1945 konnte das Gebäude noch nicht vollständig genutzt werden und der Unterricht fand teilweise in Geithainer Gaststätten statt. Immer noch waren Reinigungs- und  Umbauarbeiten zu erledigen, deren Organisation und Finanzierung unmittelbar nach Kriegsende für die Stadtverwaltung ein Riesenproblem darstellten. Das 25. Weihejubiläum wurde aber nun mit einem großen Park- und Schulfest am 22./23. August 1950 begangen. Die finanziellen Bedingungen waren zwar für Gastgeber und Gäste mehr als bescheiden, dämpften den Enthusiasmus und das Engagement Vieler bei der Vorbereitung des Festes und die Freude an einem Wiedersehen keineswegs. "Standquartiere" für das Treffen der einzelnen Schülerjahrgänge waren 11 Restaurants und Gasthäuser der Stadt. Das Programmheft ist in vielen Geithainer Familien noch vorhanden.  An drei Abenden spielten die "Gleaming Stars" unter Leitung von Gerhard Stein auf der Freitanzdiele im Unterpark zum Tanz auf. Besonderer Höhepunkt war die Aufführung des Theaterstücks "Flachsmann als Erzieher" unter Leitung des Lateinlehrers Friedrich Jacobs im Saal von "Stadt Altenburg". Festsitzungen mit den entsprechenden Ansprachen, Gottesdienste beider Religionen, diverse Sportwettkämpfe sowie ein Fackelumzug und  das Abschlussfeuerwerk verdeutlichen die Vielseitigkeit des Programms. Mit dem Fest 1950 erfolgte letztmalig, und das für Jahrzehnte, eine öffentliche Würdigung und Ehrung des Schulstifters Paul Guenther, aber auch des langjährigen Schuldirektors Louis Petermann. Diesem wurde im Vorjahr die Ehrenbürgerschaft der Stadt Geithain verliehen. Jetzt, 1950, konnte er bei guter Gesundheit seinen 80. Geburtstag feiern.

Wer sich über Details informieren möchte, kann die Bücher „Geithain Journal, Beiträge zur Stadt- und Schulgeschichte“ Teil 1 bis 3 in der Stadtbibliothek Geithain ausleihen. Restexemplare können in der Buchhandlung „Bücher, Bilder & Musik“ erworben werden.  

Nordansicht der Paul-Guenther-Schule,
Quelle: Weiheschrift von 1925

(2) Namenlos über Jahrzehnte

von Dr. Gottfried Senf

Nordseite der Schule mit Schulbezeichnung, Anfang 1950er Jahre
Archiv Dr. G.Senf

Im Mai 2015 feiert die Paul-Guenther-Schule in Geithain ihr 90jähriges Bestehen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Juli 1923, aber schon Ende Oktober mussten die Arbeiten wegen der Inflation eingestellt werden und ruhten bis Anfang Juli 1924. Trotz dieser und anderer Probleme konnte der Riesenbau am 28. Oktober 1925 eingeweiht werden. In loser Folge soll an wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Schulleben der vergangenen 90 Jahre erinnert werden.

Nach den Feierlichkeiten zum 25jährigen Bestehen der Schule wurde der Name des Schulstifters systematisch aus der Stadtöffentlichkeit verdrängt. Paul Hammer (Schuldirektor von 1951 bis 1988) erinnert sich, dass letztmalig 1952 in einem offiziellen Schreiben „Paul-Guenther-Schule Geithain“ verwendet wurde. Dienstsiegel und Briefkopf der folgenden Jahre führten u.a. Bezeichnungen wie „Demokratische Einheitsschule – Zentralschule Geithain“ oder „Zehnklassige Polytechnische Oberschule mit erweitertem Oberschulzug“. An das 30- und 40-jährige Bestehen des Schulbaues wurde in der Geithainer Öffentlichkeit mit keinem Wort erinnert. Offenbar konnte man 1955 innerhalb des Schulkollegiums dieses Faktum aber nicht unerwähnt lassen. Hammer nennt in seinem Buch „Beiträge zur Geschichte der Schule Geithain“ unter dem 31.08.55 als einen Tagesordnungspunkt der Lehrerkonferenz: „Argumentation zur `Paul-Guenther-Schule`“. Der kurze Eintrag ist aber symptomatisch  für die 1950er/60er Jahre in Geithain: Offiziell wird alles, was mit dem Namen des Schulstifters zu tun hatte, systematisch verschwiegen. In den Geithainer Familien war jedoch die Sache immer präsent und für viele Ältere blieb ihre Schule immer die „Paul-Guenther-Schule“. Diese Stimmung in den Altgeithainer Familien kannte man in der „Kreisobrigkeit“ sicher. Aber ebenso sicher wusste man dort, dass sich das Problem mit der Zeit lösen wird. Biologisch allemal, aber auch die Veränderungen in der Zusammensetzung der Geithainer Einwohnerschaft durch Zuzug von außerhalb, besonders seit Geithain Kreisstadt war. In der Lehrerschaft fand eine ähnliche Entwicklung statt. Jährlich begannen junge Kolleginnen und Kollegen von außerhalb den Dienst, die nichts über die spezielle Schulgeschichte wussten und auch nie etwas erfuhren! So herrschte über Jahrzehnte ein fast schon schizophrener Zustand: An der Nordseite der Schule der Sinnspruch „Die Liebe zur Heimat, die Güte …“ und „Paul-Guenther-Schule“ einerseits, die jeweilig gültige Schulbezeichnung auf einer darunter angebrachten Holztafel andererseits. Später verdeckte das Holzschild den Namenszug „Paul-Guenther-Schule“. Die Schule blieb namenlos in all den Jahren bis Mitte der 1970er Jahre. Der Verdrängungs-/Vergessensprozeß nahm seinen Lauf.

Wer sich über Details informieren möchte, kann die Bücher „Geithain Journal, Beiträge zur Stadt- und Schulgeschichte“ Teil 1 bis 3 in der Stadtbibliothek Geithain ausleihen. Restexemplare können in der Buchhandlung „Bücher, Bilder & Musik“ erworben werden. 

(3) Ab 1976 – Juri-Gagarin-Oberschule Geithain

von Dr. Gottfried Senf

Relief an der Nordseite
Archiv Dr. G.Senf
Büste an der Rückwand des Schulhofes, geschaffen von Gustav Tschech-Löffler
Archiv Dr. G.Senf

Im Mai 2015 feiert die Paul-Guenther-Schule in Geithain ihr 90jähriges Bestehen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Juli 1923. Trotz zeitweiliger Unterbrechung der Bautätigkeit konnte der Riesenbau am 28. Oktober 1925 eingeweiht werden. In loser Folge soll an wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Schulleben der vergangenen 90 Jahre erinnert werden.

Mit dem Fest 1950 erfolgte letztmalig eine öffentliche Ehrung und Würdigung des Schulstifters Paul Guenther. Sein Name wurde nach 1950, der offiziellen Ideologie folgend, systematisch mehr und mehr verdrängt. Es vergingen 25 Jahre, in denen die Schule offiziell namenlos blieb. Alteingesessene Geithainer verbanden zwar in all den Jahren die Geithainer Schule immer mit dem Namen ihres Stifters. Diese dauernde Präsenz des Namens Guenther in Geithainer Familien war es wohl auch, dass man sich seitens der SED- Kreisleitung so lange scheute, den alten Schulnamen offiziell abzuerkennen und sie neu zu benennen. Verstärkt seit Ende der 1960er Jahre „empfahl man“ seitens der SED-Führung, den DDR-Bildungseinrichtungen Namen von Persönlichkeiten zu verleihen. Im Kreis Geithain hatten bis 1975 bereits alle Schulen „den Kampf um den Schulnamen“ geführt, nur die größte Schule im Kreis, noch dazu die in der Kreisstadt, war bisher – aus damaliger offizieller Sicht - namenlos geblieben. 1975 bestand die Schule 50 Jahre. Dem wurde in keiner Weise gedacht. Stattdessen standen in diesem Jahr die Beschlüsse des Elternbeirates und der SED-Schulparteileitung, den „Kampf um den Namen `Juri-Gagarin-Oberschule`“ aufzunehmen, auf der Tagesordnung. Am 8. Mai 1976 wurde der Schule dieser Name verliehen. Für eine Mehrheit der Geithainer war es eine Namens g e b u n g für eine namenlose Schule. Für eine Minderheit, eben alteingesessene, ältere Geithainer, war es jedoch eine verletzende, nicht durch öffentliche, freie Meinungsbildung legitimierte Namens ä n d e r u n g ! Paul Hammer schildert in seinen „Beiträgen zur Geschichte der Schule Geithain“ ausführlich die Vorarbeiten, den Akt der Namensverleihung und die pädagogische Arbeit in den folgenden Jahren unter Nutzung des Namens Juri Gagarin. Aus heutiger Sicht mag sich der eine oder andere fragen, warum diese Namensänderung so „einfach über die Bühne ging“? Es gab schließlich keinerlei öffentliche Einwände oder gar aktiven Widerstand gegen den Akt der Umbenennung, auch nicht von solchen Geithainern, die - anders als Lehrer und Eltern - wahrscheinlich keinerlei Nachteile hätten befürchten müssen. Außerdem, welche Chance hätte real bestanden, etwa auf der Kreisseite der LVZ einen Leserbrief g e g e n "den Kampf um die Verleihung des Schulnamens Juri Gagarin" zu veröffentlichen? Wer heute nach den Gründen fragt, darf eines nicht unbeachtet lassen: 25 Schülerjahrgänge be-suchten bis 1950 die „Paul-Guenther-Schule“. Es waren die Geburtsjahrgänge 1919 bis 1942. Diese Geithainer waren 1976 zwischen 34 und 57 Jahre alt. Wieviel von denen wohnten 1976 noch in Geithain und welchen Anteil hatten diese an der Einwohnerzahl Geithains im Jahre 1976? Der systematische Verdrängungsprozess und der Zuzug von außerhalb hatten zur Folge, dass die Mehrheit der Geithainer Einwohnerschaft absolut nichts mehr über Paul Guenther und sein Werk wusste! Ganz besonders schmerzlich wurde von den älteren Geithainern das Entfernen des Sinnspruchs und des Reliefs an der Nordseite des Turmes empfunden, war doch damit auch rein äußerlich die letzte Erinnerung an die ”Paul-Guenther-Schule” beseitigt worden. Die Festschrift zum 800 jährigen Stadtjubiläum im Jahre 1986 dokumentierte in besonders bornierter Art die Verschweigungstaktik in Bezug auf die Geithainer Schulgeschichte. Auf 80 Seiten behandeln die Autoren die Geithainer Geschichte. Nicht ein einziges Mal, und sei es auch nur durch einen Hinweis, erscheint der Name Paul Guenther! Der für die Stadt so bedeutsame Schulbau wird in der Zeittafel unter dem Jahr 1925 mit keinem Wort erwähnt. Es wundert nicht, dass sich in den Jahren 1989/90 die Wiedereinführung des alten Schulnamens zu einem besonders für Geithain ganz wichtigen Diskussionsthema der Wendezeit entwickelte. Nun konnte jeder frei und offen seine Meinung äußern. Es wurde in Versammlungen und in der Regionalpresse seit etwa November 1989 bis zum Sommer 1990 das Für und Wider einer Rückbenennung diskutiert, welche im Herbst 1990 (Schule existierte 65 Jahre!) vorgenommen wurde.

Wer sich über Details informieren möchte, kann die Bücher „Geithain Journal, Beiträge zur Stadt- und Schulgeschichte“ Teil 1 bis 3 in der Stadtbibliothek Geithain ausleihen. Restexemplare können in der Buchhandlung „Bücher, Bilder & Musik“ erworben werden.

(4) Die Schule trägt seit 1990 wieder ihren alten Namen

von Dr. Gottfried Senf

Im Mai 2015 feiert die Paul-Guenther-Schule in Geithain ihr 90jähriges Bestehen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Juli 1923.Trotz großer Probleme (z.B. Inflation) konnte der Riesenbau am 28. Oktober 1925 eingeweiht werden. In loser Folge soll an wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Schulleben der vergangenen 90 Jahre erinnert werden.

Nach Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erhielt am 2. September 1990 die Geithainer Schule wieder ihren alten Namen "Paul-Guenther-Schule". In einer Feierstunde an der Schule wurde der neu angefertigte Sinnspruch enthüllt: „Die Liebe zur Heimat, die Güte, sie stiftete dieses Haus, die heiligsten Güter es hüte, die Jugend, die eingeht und aus.“ Lutz Löffler berichtete über die von vielen Geithainern finanziell unterstützte Neuherstellung bzw. Reparatur der Gestaltungselemente an der Nordseite sowie der Bleiglasfenster im Innern des Gebäudes. Die Diskussionen um den Schulnamen im Vorfeld des Stadtverordneten-Beschlusses bildeten einen Großteil der innerstädtischen Auseinandersetzungen in den Monaten seit November 1989. Erste Informationsartikel und Vorträge zur Biographie Paul Guenthers sowie zum Schulbau 1925 halfen mit, jüngere und zugezogene Geithainer mit der Sachlage etwas vertraut zu machen. Es konnten aber doch nur erste und sehr lückenhafte Informationen sein. Ab 1990 eröffneten sich dann völlig neue Möglichkeiten für die Quellenforschung bis hin zum direkten Kontakt mit Archiven in den USA und einem Besuch in Dover/N.J. Der Name ”Juri- Gagarin- Schule” war seit 1976 mit allen Mitteln der ideologischen Überzeugungsarbeit durchaus publik geworden, zumal eben sehr viele bisher in ihrem Leben von Paul Guenther nie etwas gehört hatten. So gab es in den Diskussionswochen auch viele Geithainer, die gegen eine Umbenennung waren. Der Mensch Gagarin stand ihnen wohl näher als ein Paul Guenther, der die Schule vor vielen, vielen Jahren hatte bauen lassen. Anlässlich eines Klassentreffens 1995 stutzte ein ehemaliger Schüler, der viele Jahre nicht nach Geithain gekommen war, bei der Nennung des Schulnamens: "Nanu, war das nicht immer die Juri- Gagarin- Schule?" Natürlich, er verbrachte seine Schulzeit in der Juri-Gagarin-Schule. Analog dazu waren ältere Geithainer zu verstehen, die 1976 sagten: "Für mich wird das immer die Paul-Guenther-Schule bleiben!".

Die Wiedereinführung des alten Schulnamens im Herbst 1990 war ein wichtiges Ereignis im 65. Jahr des Bestehens der Schule. Der Geithainer Öffentlichkeit weniger bekannt, jedoch schul- und stadtgeschichtlich bedeutsam, war ein Vorgang zu Beginn des Jahres 1990. Die Bruno und Therese Guenther-Stiftung war seit 1940 Hypothekenbesitzerin an einem Fabrikgrundstück in Neukirchen bei Chemnitz und erhielt von dem Eigentümer Emil Knoth monatlich die Zinsen, kontinuierlich und ohne besondere Probleme bis 1990. In diesen 50 Jahren haben die Nachkommen von Knoth zum Zwecke der Veräußerung des Grundstückes mehrmals (1958, 1977, 1986) bei der Stadt bzw. der Stiftung die Auflösung der Hypothek beantragt. Die Stadt hatte aber stets abgelehnt. Anfang 1990 wurde über den Rat des Bezirkes Leipzig abermals so ein Antrag gestellt. Nach einer Anfrage des Geithainer Heimatvereins teilte der Geithainer Bürgermeister Rolf Galisch mit: „In Erledigung dieses Begehrens kam es 1990 zur Rückzahlung des belastenden Betrages durch die Nachlassberechtigten. Die Abwicklung erfolgte nach unserer Kenntnis über das Staatliche Liegenschaftsamt beim ehemaligen Rat des Kreises Geithain.“ Die Stadt bzw. die Stiftung erhielt von den Nachlassberechtigten im Mai 1990 einen Betrag von rund 93.000 DDR-Mark. Im Rahmen der Währungsunion Juli 1990 erfolgte die Umstellung auf DM. Im Januar 1991 tätigte die Stadt als die beauftragte Verwalterin des Stiftungsvermögens eine entsprechende Festgeldanlage. Die Stadt Geithain war und ist für die Verwaltung der Bruno und Therese Guenther-Stiftung zuständig. Sie informiert beispielsweise monatlich im Amtsblatt, welche Jubilare (90 Jahre und älter) jeweils aus Stiftungserträgen geehrt werden.

Wer sich über Details informieren möchte, kann die Bücher „Geithain Journal, Beiträge zur Stadt- und Schulgeschichte“ Teil 1 bis 3 in der Stadtbibliothek Geithain ausleihen. Restexemplare können in der Buchhandlung „Bücher, Bilder & Musik“ erworben werden.

Rege Teilnahme der Einwohner an der Feierstunde am 1. September 1990, im Hintergrund eine der Verwaltungs-Baracken gegenüber der Schule, heute Häuser „Betreutes Wohnen“ des Seniorenheimes am Stadtpark
Foto: Archiv G.Senf

(5) 70. Weihejubiläum mit der Enkelin des Schulstifters

von Dr. Gottfried Senf

Virginia und Robert Vanderbilt, Treffen Sommer/Senf/Vanderbilt 2003 in London
Foto: Archiv G.Senf

Im Mai 2015 feiert die Paul-Guenther-Schule in Geithain ihr 90jähriges Bestehen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Juli 1923.Trotz großer Probleme (z.B. Inflation) konnte der Riesenbau am 28. Oktober 1925 eingeweiht werden. In loser Folge soll an wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Schulleben der vergangenen 90 Jahre erinnert werden.

Die Such- und Sammelarbeit zur Biografie des Schulstifters, insbesondere zu seinem Leben und Wirken in Dover/New Jersey, prägte die Jahre von 1990 bis 1995. Unbehinderter Brief- und Telefonverkehr sowie die neuen Reisemöglichkeiten forderten ihre Nutzung geradezu heraus. Als Glücksfall erwies sich die Verbindung mit Ulrich J. Sommer aus Kanada. Als gebürtiger Geithainer war er an der Erforschung der Thematik „Paul Guenther“ in gleicher Weise interessiert wie wir. Einen ganzen Fragenkatalog galt es abzuarbeiten, und das war stets verbunden mit zahllosen Telefonaten, Briefen und Archivstudien. Der Rahmen dieses Beitrages zwingt zur Konzentration auf e i n Detail aus der Fülle von neuen Informationen und Erkenntnissen. Aus Geithainer Zeitungen der 1920/30er Jahre war bekannt, dass das Ehepaar Olga und Paul Guenther eine Tochter Margarethe hatte. Diese heiratete Anfang der 1920er Jahre. Dass aus dieser Ehe eine Tochter hervorging, war gerade noch bekannt, mehr aber nicht. Die Gedanken, diese Enkelin Paul Guenthers könne noch leben, eine Verbindung zu ihr käme zustande und sie könnte als Gast der Feierlichkeiten zum 70. Weihejubiläum der Schule in der Stadt begrüßt werden, erschienen zwar verlockend, entbehrten jedoch anfangs jeder realistischen Grundlage. Das änderte sich bald, als Nachfragen im Stadtarchiv von Dover/N.J. ergaben: Margarethe Guenther heiratete einen Mr. Osgood, die Tochter hieß Virginia. Diese Ehe wurde nach mehreren Jahren geschieden. Margarethe hieß in zweiter Ehe Reiner. Außer dem Vornamen und dem ungefähren Geburtsjahr war von der Enkelin Paul Guenthers bis Juni 1992 immer noch nichts bekannt! Die intensive Suche seit 1990, jetzt auf der „Spur“ der Familie Reiner, währte noch ein reichliches Jahr und führte über die Schweiz nach England. Seit Herbst 1993 kannten wir die Adresse des Ehepaares Virginia und Robert Vanderbilt in London. Deren Sohn Paul lebt seit vielen Jahren in den USA. Ein reger Briefverkehr zwischen den Orten Georgetown/London/Geithain brachte in der Folgezeit zum Teil überraschende Informationen. Für das 1995 geplante 70. Weihejubiläum in Geithain war ein Satz in einem ihrer Briefe besonders wichtig: „I would so love to see that part of Germany …my son Paul too!“ Mit großer Freude konnten 1995 die Vanderbilts als Gäste zum Fest begrüßt werden. Ebenso groß war die Freude über die Teilnahme von Ulrich J. Sommer aus Kanada, dessen großer Anteil an den Forschungen damit gewürdigt wurde.

Die großzügige Fördertradition ihres Großvaters (Bruno und Therese Guenther-Stiftung 1920 und Schulbau 1925) setzte seine Enkelin fort. Im Juni 1995 spendete sie der Schule 50.000 Dollar und im Dezember des gleichen Jahres noch einmal 20.000 Dollar, wie die LVZ vom 23./24.3.1996 berichtete. Nach 1995 erhielt die Schule jährliche Spenden von der Familie. Diese Gelder ermöglichten einige Jahre später die Errichtung einer zweiten Stiftung, der „Stiftung des Fördervereins der Paul-Guenther-Schule Geithain“. Im Rahmen der Feierlichkeiten verlieh die Stadt Geithain 1995 Frau Vanderbilt die Ehrenbürgerwürde. Herr Ulrich J. Sommer ist seit 2006 Ehrenmitglied des Geithainer Heimatvereins e.V.. Zehn Jahre später beging Schule und Stadt das 80. Weihejubiläum. Leider war es den Gästen von 1995 aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht möglich, nach Geithain zu kommen. Ähnliches lässt sich wohl auch für die im nächsten Jahr geplanten Feierlichkeiten „90 Jahre Paul-Guenther-Schule“ vermuten. Robert Vanderbilt starb im Jahre 2010. Virginia wohnt weiterhin in London. Trotz ihres hohen Alters ist sie an den Entwicklungen in Geithain und an der Paul-Guenther-Schule sehr interessiert.

Wer sich über Details informieren möchte, kann die Bücher „Geithain Journal, Beiträge zur Stadt- und Schulgeschichte“ Teil 1 bis 3 in der Stadtbibliothek Geithain ausleihen. Restexemplare können in der Buchhandlung „Bücher, Bilder & Musik“ erworben werden.

(6) Die NEULEHRER prägten Jahrzehnte des Schullebens

von Dr. Gottfried Senf

Fred Stopp, Siegfried Mälzer, Klaus Kupfer,
Waldemar Schläfer, um 1952
Es war zu dieser Zeit nichts Besonderes, im Unterricht die kurze Lederhose zu tragen!
Foto: Archiv G. Senf
Geithainer Lehrerkollegium, Ende 1950er Jahre
Foto: Archiv G. Senf
Klasse 6, 1951, Klassenleiter Fred Stopp, Geburtsjahrgänge 1941/42
Foto: G. Senf

Zu einer Schule gehören Lehrer. Dieser Beitrag zur Schulgeschichte soll einer ganz bestimmten Lehrergeneration an der Geithainer Schule gewidmet sein. Über Wochen und Monate vor und nach Kriegsende 1945 diente das Schulgebäude als Lazarett. Von einem halbwegs regulären Unterrichtsbetrieb konnte lange nicht gesprochen werden. Das traf auf sehr viele Schulen in ganz Deutschland zu. Für die Schulen in der sowjetisch besetzten Zone gab es jedoch bald eine besondere Zäsur im Unterrichtsbetrieb. Bis auf die Lehrerin Bertha Schubarth erhielten von Oktober 1945 bis März 1946 alle Lehrerinnen und Lehrer der Geithainer Schule wegen ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP die Kündigung durch den Bornaer Schulrat Röder.

Das Kollegium verjüngte sich mit der Einstellung der Neulehrer buchstäblich von heute auf morgen. Bertha Schubarth (Geburtsjahrgang 1893), plötzlich die Älteste, war und blieb bis zu ihrem Renteneintritt eine Geithainer Lehrerinnen-Legende.  Zweitältester Lehrer war der amtierende Schulleiter Fritz Geißler, gebürtiger Leipziger und wegen seiner Mitgliedschaft im SPD-Lehrerverband 1933 nach Borna strafversetzt. Werner Nötzold wird als erster Neulehrer am 12.12.45 an der Geithainer Schule eingestellt. Es folgen  Wolfgang Tirl, Robert Haldemann, Ellinor Jacobs und Heinz Richter bis Herbst 1946. Werner Packhäuser, Gottfried Berthold, Horst Poppitz, Klaus Kupfer und Siegfried Mälzer beginnen in den folgenden Jahren bis 1949 ihren Dienst. Danach folgen bald die über Jahrzehnte an der Geithainer Schule tätigen LehrerInnen wie beispielsweise Herbert Eidner, Paul Hammer, Helmut und Hanna Netzmann, Curt Dathe, Marlen und Fred Stopp. Horst Poppitz gehörte mit seinen reichlich 18 Jahren zu den Jüngsten, als er am 1.9.48 zum ersten Mal vor Schülern stand. Von den 15 hier namentlich genannten Neueingestellten gehörten 9 zu den Geburtsjahrgängen 1920 bis 1930. Unter den  anderen 6 zählten Helmut Netzmann(1904), Ellinor Jacobs(1907) und Robert Haldemann(1912) zu den Ältesten. Die Bedingungen für Lehren und Lernen waren aus heutiger Sicht unvorstellbar. Die Klassenstärken betrugen selten unter 30, aber oft über 40! Wer vor diesen „Schülermassen“, ohne jegliches Lehr- und Lernmaterial, aber vor allem fast durchweg ohne jegliche pädagogisch/didaktische Vorbildung als Lehrer gearbeitet hat, verdient noch heute Anerkennung. Stellvertretend für viele in der Geithainer Öffentlichkeit hoch geachteter Lehrer   sollen hier Ellinor Jacobs („die Babka“) und Fred Stopp („Freddy“) genannt werden.

Die riesigen Probleme des Neuanfangs nach 1945, und nicht nur im Schulbereich, wurden  schon zu DDR-Zeiten oft thematisiert. Weitgehend tabu blieb dagegen in all den DDR-Jahren etwas, was diese NEULEHRER mit Sicherheit noch viele Jahre sehr beschäftigt hat. Natürlich hatten alle i h r e „Zeit davor und danach“. Jetzt arbeiteten als Kollegen zusammen, die sich schon seit ihrer Jungvolk- und HJ-Zeit kannten. Ältere Kollegen hatten gerade ihre Zeit in der Wehrmacht hinter sich, der eine als Offizier im Wehrkreisamt Borna, ein anderer als einfacher Soldat, ein dritter, schwer verwundet, in der Waffen-SS. Manchen hatte es erst durch den Krieg hier nach Geithain verschlagen, andere wiederum zählten mit ihren Familien zu „Ur-Geithainern“! Zum Kollegium gehörten auch Flüchtlinge, wie etwa Netzmanns aus Breslau. Fräulein Jacobs, aus dem Baltikum stammend, musste bereits 1939 ihre Heimat im Zusammenhang mit dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt verlassen. Das DDR-Dauerproblem  „Republikflucht“ widerspiegelte sich natürlich auch im Geithainer Lehrerkollegium. Waldemar Schläfer flüchtete 1957 über Westberlin in die Bundesrepublik. Werner Packhäuser verließ ein Jahr später mit Ehefrau und zwei kleinen Kindern auf gleichem Weg die DDR. In einem ausführlichen Bericht schilderte er kurz vor seinem Tod Umstände und Ursache seiner Flucht. Die Geithainer Neulehrer sind oder wären heute alle über 80 Jahre alt. An sie sollte mit diesem Beitrag erinnert werden. Der Tod von Werner Juhlemann, Werner Nötzold und Curt Dathe, alle drei in den letzten 12 Monaten verstorben, kann als Symbol betrachtet werden: Eine Generation tritt ab.

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Den Alltag für
ein Weilchen
hinter sich lassen.
Die Hektik vergessen
und dem Klang
der Stille lauschen.
Das eigene Gesicht
spiegelt sich nur
in ruhigen Gewässern.

Reinhard Staupe




Förderverein der Paul-Guenther-Schule | Schillerstr. 13 | 04643 Geithain | Telefon: 034341/42494